Das Zentrum für Verfemte Musik
Aktuell
Internationaler Interpretationswettbewerb Verfemte Musik
Der Internationale Interpretationswettbewerb Verfemte Musik findet seit dem Jahr 2001 in der Landeshauptstadt Schwerin statt und wird dort seit 2002 alle zwei Jahre ausgetragen. Seit 2008 wird das Internationale Festival Verfemte Musik als Kooperationsprojekt des Konservatoriums Schwerin und des Zentrums für Verfemte Musik an der Hochschule für Musik und Theater Rostock veranstaltet.
Die Ausschreibung für den Wettbewerb läuft ab sofort. Die Teilnahmebedingungen und ein Anmeldeformular sind zu finden unter www.verfemtemusik.de.
EU-Förderung
Das Zentrum für Verfemte Musik erhält 2012 bis 2014 gemeinsam mit europäischen Projektpartnern eine Förderung durch die Europäische Kommission. Gefördert werden deren Projekte zur Vermittlung Europäischer Kulturgeschichte und gegen das Vergessen des kulturellen Barbarismus der Nationalsozialisten im Rahmen des Programms "Europäische Strategien zur Holocaust Erinnerung (ESTHER).
Was ist verfemte Musik?
Das Wort „verfemt“ setzte sich in den letzten Jahren anstelle des nationalsozialistischen Begriffs „entartet“ durch. Für die Nationalsozialisten galten sämtliche Kunstwerke, kulturelle Stilrichtungen und Musikwerke, die nicht im Einklang mit ihrem eigenen Schönheitsideal und Kunstverständnis standen, als „entartet“ und wurden verboten. Als „entartet“ wurden beispielsweise Stücke jüdischer Künstler oder Andersdenkender, wie Kommunisten, bezeichnet, der Begriff galt sowohl für Musikrichtungen wie Swing und Jazz wie auch in Literatur, Filmkunst, Theater und Architektur. Viele der Künstler der Moderne, vor allem aber Juden, kamen in Konzentrationslager und wurden ermordet. Von Malern und Bildhauern haben zahlreiche Kunstwerke die Zeit der Verfolgung überdauert. Die Noten der „unerwünschten“ Komponisten hingegen blieben verschollen oder wurden nicht verlegt, ihre Musik wurde nicht mehr gespielt und geriet oft in Vergessenheit.
Das Zentrum für Verfemte Musik an der hmt Rostock
Ziel des Zentrums für Verfemte Musik, gegründet am 27. Januar 2008, ist es, jene Musiker der Moderne, die Opfer der Gewaltherrschaft wurden, in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und ihre in Vergessenheit geratenen Werke wieder zu spielen. Entscheidendes Anliegen und einmalig in Deutschland ist, dass der Schwerpunkt nicht nur auf die Forschung, sondern auf die künstlerisch-pädagogische Arbeit gelegt wird. Die einzigartige Möglichkeit, an der Hochschule für Musik und Theater Rostock Musikstudierende als Multiplikatoren für diese Thematik zu gewinnen und sie dafür zu sensibilisieren, soll mithilfe des Zentrums genutzt werden. Die Studierenden erhalten durch die Veranstaltungen des Zentrums die Möglichkeit, die Werke der verfemten Komponisten für ihr Instrument kennen zu lernen, um sie in Zukunft selbst zu Gehör bringen zu können. Eine wichtige Zielgruppe sind dabei auch die Lehramtsstudierenden. Hier liegt die Chance, künftige Generationen zu erreichen, wenn die zukünftigen Musiklehrer das Thema in ihrem Schulunterricht aufgreifen.
Neben Lehrveranstaltungen finden in der hmt Rostock immer wieder Vorträge zur Thematik „Musik und Holocaust“ sowie Konzerte zu Gedenktagen wie beispielsweise dem 27. Januar und dem 9. November statt. Dabei erklären sich oft Zeitzeugen bereit, von ihren Erfahrungen zu berichten.
Auch außerhalb der Hochschule ist das Zentrum für Verfemte Musik ständig präsent. Es kooperiert mit den Musikschulen im Land, berät Veranstalter und Interessierte, organisiert musikalische Umrahmungen von Gedenk- und Festveranstaltungen, bietet eigene Veranstaltungen im Rahmen von Lehrerfortbildungen an und verfügt über enge Kontakte zu den Rostocker Schulen.
Neben den Aktivitäten in Mecklenburg-Vorpommern ist das Zentrum tragender Teil einer europäischen Plattform, die seit einigen Jahren mit verschiedenenen Vereinen und Institutionen in Deutschland, Österreich, England und Frankreich kooperiert.
Darüber hinaus wurden wichtige internationale Projekte, Konzerte und Konzerttourneen in Kooperation mit dem Landesverband Jeunesses Musicales M-V e.V. realisiert. Diese führten u.a. nach Kalifornien, Frankreich und Österreich.
Ein weiteres Ziel ist die Vernetzung und Schaffung des Zugangs zum Archiv verfemter Komponisten in Schwerin. Diese beachtliche Notensammlung von rund 700 Partituren, Handschriften und Raritäten wird ständig erweitert und soll zu Studien– und Forschungszwecken jedem Musikstudenten und den Lehrkräften der hmt zur Verfügung stehen.
Beachtliche Erfolge erzielten in den vergangenen Jahren Studentinnen und Studenten der hmt beim internationalen Musikwettbewerb Verfemte Musik in Schwerin. So wurden erste Preise im Wettbewerbsjahr 2010 in der Kategorie Gesang und 2008 in der Kategorie Bläserkammermusik an Kae Hirano, Aya Matsushita, Paolo Mendes und Johann Blanchard vergeben.
Vergangene Veranstaltungen
Zentrum für Verfemte Musik erhält Nachlass von Peter Wallfisch
Die Organisatoren des Schweriner Festivals „Verfemte Musik“ und des Zentrums für Verfemte Musik konnten sich über ein besonderes Geschenk freuen. Die heute in London lebende Anita Lasker Wallfisch überließ ihnen das Notenarchiv ihres 1993 verstorbenen Mannes, dem international gefeierten jüdischen Pianisten und Klavierprofessors Peter Wallfisch. Die symbolische Übergabe des Nachlasses in das Schweriner Archiv erfolgte am Donnerstag, dem 9. November 2011 im Brigitte-Feldtmann-Saal des Schweriner Konservatoriums. Volker Ahmels, der Leiter des Zentrums für Verfemte Musik, nahmt es persönlich von Anita Lasker Wallfisch entgegen. Am Nachmittag gestalteten Schüler des Konservatoriums Schwerin, Studierende der Hochschule für Musik und Theater Rostock sowie das Klavierduo Haufe-Ahmels eine Gedenkveranstaltung, bei der Frau Anita Lasker Wallfisch auch einen Vortrag hielt.
Das Schweriner Archiv besteht aus ca. 800 Partituren und Noten von Komponistinnen und Komponisten aus der ganzen Welt, u.a. klassische Literatur, aber auch Werke von Englischen, Spanischen und Südamerikanischen. Darüber hinaus beinhaltet das Archiv auch Werke verfemter Komponisten, wie beispielsweise Hans Gal, Paul Ben-Haim, Erwin Schulhoff und Darius Milhaud, die schon im Fokus der jahrelangen Forschungsarbeit des Konservatoriums in Kooperation mit dem Zentrum für Verfemte Musik an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock steht. Es wird nun um das Notenarchiv von Peter Wallfisch erweitert, das im Wesentlichen aus Notenpartituren für Klavier solo und Klavier vierhändig besteht.
Dieses Archiv soll für Forschungszwecke und natürlich auch für Pianistinnen und Pianisten aus der Musikschule und der Rostock Hochschule zugänglich sein.
Weitere Veranstaltungen des Zentrums für Verfemte Musik waren:
Studierende der hmt gaben gemeinsam mit jungen Preisträgern aus Freiburg und Mitgliedern der yaro am 26. Januar 2012 ein Konzert anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus in der Rostocker Hochschule. Ehrengast dieses Abends war Dr. Eva Fox-Gál aus York in England. Einen Tag später spielten sie zur Gedenkveranstaltung im Schweriner Landtag.
Außerdem traten Studierende mit einem musikalischen Programm verfemter Komponisten bei einer Veranstaltung im Informationsbüro Mecklenburg-Vorpommern in Brüssel auf, das mit dem Landesrabbiner William Wolf am 02.02.2012 zum Thema „Integration“ stattfindet.
Kammermusikfestival "Bohème! Musik aus Böhmen und Mähren"
Vom 7. bis 11. Juni 2011 fand an der hmt Rostock das Kammermusikfestival "Bohème! Musik aus Böhmen und Mähren" statt. In diesem Rahmen wurden zahlreiche Veranstaltungen in Kooperation mit dem Zentrum für Verfemte Musik angeboten, unter anderem ein Zeitzeugengespräch mit Prof. Anna Hanusová-Flachová.
Ausstellung: „Berühmt und wieder vergessen. Das Schicksal des Komponisten Alexandre Tansman“. 06. bis 28. Februar 2011
Die Ausstellung „Berühmt und wieder vergessen. Das Schicksal des Komponisten Alexandre Tansman“ war ein von Studenten der hmt getragenes Projekt. Die Ausstellung wurde konzipiert als Teil des Rahmenprogramms zum Festival „Verfemte Musik 2010“ in Schwerin. Während dieses bereits zum sechsten Mal veranstalteten Instrumental- und Gesangswettbewerb vom 21. bis 26. September 2010 wurde durch den Verein Jeunesses Musicales MV Konzerte, Vorträge und Zeitzeugengespräche veranstaltet. Im Fokus des Festivals stand 2010 der polnisch-französische Komponist Alexandre Tansman. Durch ein Theater-Schülerprojekt wurde sich künstlerisch mit dem Leben des Komponisten beschäftigt, die wissenschaftliche Auseinandersetzung erfolgte dann durch die Studenten mit der Ausstellung. Neben zeithistorischen und biographischen Informationen wurde in der Ausstellung auch ausgewählte Werke von Alexandre Tansman ausgewählt, um den Besuchern einen kleinen Einblick in das umfangreiche Œuvre des Komponisten zu geben. Durch die Auswahl der Originaldokumente, die uns von der Tochter Mireille Tansman zur Verfügung gestellt worden sind, sollte die Ausstellung plastischer und greifbarer gemacht werden.
Gesamtkonzeptionell war das Anliegen, den Besucher mit dem Komponisten vertraut und anhand seines Schicksals auch Zeitgeschichte erfahrbarer zu machen.
Die intensive Arbeit der sechs Studenten Jonathan Boudevin, Anne Neubert, Margarete Ruickoldt, Patricia Schneider, Stefanie Schliebe und Anna-Sophie Werner wurde durch die Mitglieder des Vereins von Jeunesses Musicales MV, hier vor allem Volker Ahmels, Andreas Damken und Jenny Svensson unterstützt.
Nachdem die Ausstellung mit großem Erfolg in Schwerin gezeigt worden war, sollte sie nun auch in den Kreuzgängen der Hochschule für drei Wochen Raum finden um den Studierenden der Hochschule, sowie den täglichen Besuchern des umgebauten Klosters den Komponisten Alexandre Tansman näher zu bringen. Zu der Vernissage, in der im Anschluss ein Konzert mit Werken von Alexandre Tansman und seinen Zeitgenossen stattfand, kam eigens die Tochter des Komponisten Mireille Tansman aus Paris und berichtete im Konzert über ihren Vater und sein Leben.
"Erinnerung musikalisch wach halten": Konzert und Zeitzeugengespräch anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2010
Am 27. Januar 2008 wurde das Zentrum für Verfemte Musik gegründet. An diesem offiziellen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, der 1996 durch den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar gelegt wurde in Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 erklang ein hochkarätiges Musikprogramm von Studenten und Dozenten der hmt Rostock. Ein ganz besonderes Geschenk zu diesem kleinen Jubiläumstag des Zentrums für Verfemte Musik war der erneute Besuch von Prof. Anna Hanusová-Flachová, die als Kind nach Theresienstadt deportiert wurde und dort nicht zuletzt wegen ihrer Liebe zur Musik die Kraft und das Glück hatte, zu überleben. Als Ehrengast berichtete sie in der Veranstaltung über ihre Zeit im KZ Theresienstadt.
Walter Arlen Festival vom 03.-05. November 2009
Das Festival „Walter Arlen und die Emigranten von Los Angeles“, das vom 03. bis 05. November 2009 an der hmt stattfand, war ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltungen des Zentrums für Verfemte Musik im Wintersemester 2009/2010 an der hmt. Schwerpunkt des Festivals waren die Werke des Komponisten, Musikkritikers und Zeitzeugen Walter Arlen, der persönlich an der Rostocker Hochschule zu Gast war. Zweiter Schwerpunkt bildeten die Emigranten von Los Angeles wie beispielsweise Arnold Schönberg Erich Zeisl und Alexandre Tansman. Im Rahmen des Festivals bot das Zentrum für Verfemte Musik Vorträge und Konzerte zu Walter Arlen und seiner Zeit an und auch die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Zeisl-Schoenberg, Tochter des Komponisten Erich Zeisl und Schwiegertochter des Komponisten Arnold Schönberg konnte für das Festival als Ehrengast gewonnen werden.
Eine enge Kooperation mit ExilArte Wien und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien geleitet von Prof. Dr. Gerold Gruber ermöglichte die Welturaufführung von Szenen aus der unvollendeten Oper von Erich Zeisl. Studenten aus Wien musizierten gemeinsam mit Studenten der Hochschule Rostock und brachten im ersten Konzert des Festivals Teile aus zu Gehör. Unter den Konzertbesuchern war auch die Tochter des Komponisten Barbara Zeisl-Schoenberg, die von der Aufführung des Werkes ihres Vaters sehr bewegt war.
Mit dem Landesverband Jeunesses Musicales MV wurde dieses Festival in Kooperation mit dem Konservatorium Schwerin veranstaltet. So gab es ein Konzert, das von jungen Preisträgern des Wettbewerbs „Verfemte Musik“ sowie Lehrern des Konservatoriums Schwerin und Studenten der Hochschule für Musik Rostock bestritten wurde.
Ausstellungseröffnung Tansman - Impressionen
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- Volker Ahmels, Leiter des Zentrums für Verfemte Musik (rechts) und Janusz Marszalek, Oberbürgermeister von Auschwitz
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- David Goldberger, Musikwissenschaftler
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- Janusz Marszalek und Volker Ahmels (rechts)
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- Veronika Grütter, hmt-Studentin
Kontakt
Hochschule für Musik und Theater Rostock
Leiter Zentrum für Verfemte Musik
Herr Volker Ahmels
Beim St.-Katharinenstift 8
D-18055 Rostock
Fon +49 385 5912742
Mobil +49 178 7419846
Fax +49 385 5912750
zvm@hmt-rostock.de
volker@ahmels.de
Weitere Information auch über das
Klavierduo Haufe Ahmels

Faltblatt zum Download
Links
Jeunesses musicales, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern
Musica reanimata, Berlin
Exilmusik Hamburg
www.juedische-philharmonie-dresden.de
Archiv Fred Prieberg an der Universität Kiel
Jüdisches Museum Berlin
Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft
Forum Voix étouffées, Paris
L'Arche, Paris
Centre de documentation juive contemporaine, Paris
Forum culturel autrichien, Paris
Museum of Tolerance, Los Angeles
Beit Theresienstadt, Israel
www.klavierduo-haufe-ahmels.de
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