Tag der Befreiung - Tag der Erinnerung

Die Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 bedeutete das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Untergang der NS-Diktatur. Dennoch dauerte es bis zum 8. Mai 1985, bis dieses Ereignis durch die Rede Richard von Weizsäckers als „Tag der Befreiung“ verstanden werden konnte.

In einem Symposium mit anschließendem Konzert diskutieren Wissenschaftler und Künstler interdisziplinär über den 8. Mai und die Folgen. Im Fokus steht die Erinnerungskultur, denn die Gegenwart zeigt, welche wachsende Bedeutung ihr zukommt oder wie Weizsäcker es in seiner Rede formulierte: „Jüngere und Ältere müssen und können sich gegenseitig helfen zu verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Erinnerung wachzuhalten.“

Das Symposium wird auch der gerade neu erschienenen Biographie des Komponisten Ingolf Dahl, der aufgrund seiner jüdischen Abstammung von den Nationalsozialisten bedroht war, eine Bühne bieten. Die Buchausgabe ist der letzte Teil der Veröffentlichungen des Zentrums für Verfemte Musik zu diesem Komponisten – nach der CD „Ingolf Dahl: Intervals“ sowie der Erstausgabe von Dahls Kompositionen für Klavier zu vier Händen „Rondo und four Intervals“. Autorin ist Melina Paetzold, eine Absolventin der hmt Rostock.

Frau Professor Dr. Yvonne Wasserloos vom Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik an der Hochschule für Musik und Theater Rostock sowie Herr Volker Ahmels vom Zentrum für Verfemte Musik haben das Symposium und Konzert gemeinsam konzipiert und organisiert. „Der 8. Mai steht für das Ende einer totalitären, menschenverachtenden Gewaltherrschaft und die Anfänge im Aufbau eines neuen, demokratischen Staates. Gerade heute, in einer Zeit, in der die Demokratie auf dem Prüfstand steht, ist es wichtig, sich mit der Bedeutung dieser Zäsur 1945 und ihrer vorausgehenden Geschichte zu beschäftigen“, betont Frau Wasserloos die Wichtigkeit, dieses Thema lebendig zu halten.

Mit der Gesamtausgabe zu Ingolf Dahl gelang es, den multitalentierten Komponisten vor dem Vergessen zu bewahren. Seine

Musik steht nun wieder für Vermittlung, Forschung und natürlich Aufführungen zur Verfügung. „Mit der Veröffentlichung der Werke für Klavierduos und der Fertigstellung des Rondos für Klavier zu 4 Händen wird eine Lücke im Oeuvre des Komponisten Ingolf Dahl geschlossen. Zukünftig können Klavierduos nun in die bemerkenswerte Klangwelt von Ingolf Dahl einsteigen“, sagt Volker Ahmels.

Das Symposium beginnt am 8. Mai um 11 Uhr im Kammermusiksaal der Hochschule für Musik und Theater Rostock, das Konzert um 18.30 Uhr.

Es diskutieren u.a. Prof. Dr. Susanne Winnacker, Prof. Dr. Wolfgang Benz, Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll, Melina Paetzold, Prof. Dr. Oliver Plessow, Simon Lasker Wallfisch, Volker Ahmels, Ronald Hirte, Prof. Dr. Friederike Wißmann und Prof. Dr. Yvonne Wasserloos.

Veranstalter sind das Zentrum für Verfemte Musik und das Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik an der hmt Rostock.
 

Die Autorin des Buches

Mit ihrem Engagement für die ExilmusikerInnen begann Melina Paetzold zunächst als Klarinettistin. Seit Jahren integriert sie Werke von verfolgten oder verbotenen KomponistInnen in ihr Konzertrepertoire, was unter anderem mit dem 2. Preis bei Internationalen Verfemte Musik Wettbewerb und dem NDR-Kulturpreis ausgezeichnet wurde. 2014 gründete sie ihr Ensemble SONeO, das schon bei zahlreichen Porträtkonzerte zu ExilkomponistInnen wie Ursula Mamlok, Ingolf Dahl, Tzvi Avni und Hanning Schröder mitgewirkt oder sie selbst gestaltet hat. 2017 hat SONeO in Kooperation mit dem Zentrum für Verfemte Musik in Rostock die CD Ingolf Dahl: Intervals aufgenommen.

Wissenschaftlich setzt sich Melina seit 2015 mit dem Thema der Exilkomponisten auseinander. Zunächst arbeitete sie am Zentrum für Verfemte Musik in Rostock sowie beim Festival für Verfemte Musik in Schwerin und engagiert sich in dem Berliner Verein musica reanimata. Momentan ist sie Dissertantin an der mdw Wien und hat in 2018 im Rahmen eines Forschungsstipendiums der Stadt Wien zu E. W. Korngold am exil.arte Zentrum geforscht. 2019 erscheint Melina Paetzolds Dahl-Kurzbiographie Ingolf Dahl: Biographie eines musikalichen Wanderers.


Die Biographie und die CD sind erhältlich in der hmt Rostock: pressestelle@hmt-rostock.de

CD               Ingolf Dahl: Intervalls, Preis: 14,80 €

Buch            Melina Paetzold: Ingolf Dahl, Biografie eines musikalischen Wanderers, MKH Medien Kontor Hamburg 2019. ISBN 978-3-934417-38-0, Preis: 14,80 €

 

Ablauf Symposium

Akademischer Tag mit Konzert | Eine Veranstaltung des Zentrums für Verfemte Musik und des Instituts für Musikwissenschaft und Musikpädagogik | Konzeption/Organisation/Moderation: Volker Ahmels und Prof. Dr. Yvonne Wasserloos | Ende 17:30 Uhr, anschließend um 18.30 Uhr Konzert

11:00 Uhr
Begrüßung: Heinrich Christian Kuhn, stellvertretender Direktor der Landeszentrale für politische Bildung MV
Begrüßung / Warum sollen wir uns überhaupt daran erinnern? Einige Fragen zum 8. Mai, Prof. Dr. Susanne Winnacker

12:00 Uhr
Zwischen Amnesie und Erinnerungskultur. Die Deutschen und der 8. Mai 1945
Prof. Dr. Wolfgang Benz (Berlin)

12:45 Uhr | Mittagspause

13:45 Uhr
Gedenken und Konzert - Musik und Erinnerung
Prof. Dr. Yvonne Wasserloos (Rostock)

14:30 Uhr
Der 8. Mai als Bezugspunkt für historisches Lernen?
Prof. Dr. Oliver Dominik Plessow (Rostock)

15:15 Uhr
Hannah Arendts Lachen. Versuch über die Sprachlosigkeit
Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll (Frankfurt/Main)

16:00 | Kaffeepause

16:15 Uhr
Die Parodie des Nationalsozialismus als künstlerischer Beitrag zur Erinnerungskultur
Prof. Dr. Friederike Wißmann (Rostock)

17:00 Uhr
Dinge von erinnerungskulturellem Belang: Fund(stück)e in Gedenkstätten
Ronald Hirte (Weimar)

17:45 Uhr
Ingolf Dahl. Biografie eines musikalischen Wanderers
Melina Paetzold (Berlin)

18:15 Uhr | Ende des Vortragsteils

18:30 Uhr | Konzert und Zeitzeugengespräch, Kammermusiksaal
Werke von u. a. Walter Arlen, Erich Zeisl, Ingolf Dahl, Max Kowalski und Gustav Mahler
Ausführende: Jonathan Hartzendorf (Bariton), Eunae Yun (Klavier), Melina Paetzold und Maxi Kaun (Klarinette), Prof. Karola Theill (Klavier), Simon Wallfisch (Bariton und Violoncello) u.a.

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