Das Zentrum für Verfemte Musik an der hmt Rostock

Vortrag und Konzert: "Totale Herrschaft und Musik"

02. Februar | 17:00 Uhr |Kammermusiksaal

Vortrag von Joachim Bussiek. Im Anschluss folgt ein Konzert mit Preisträgern des Internationalen Wettbewerbs für Verfemte Musik 2016 und Studierenden der hmt.

Joachim Bussiek ist 41 Jahre alt und Politikwissenschaftler. Er lebt in Lübeck und leitet in Schwerin seit 2007 die Akademie für Politik, Wirtschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus arbeitet er als freier Dozent in der Erwachsenenbildung zu unterschiedlichen Themen aus Politik und Zeitgeschichte. Bereits seit seinem Studium an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg befasst er sich immer wieder mit Fragestellungen politischer Theorie und politischer Philosophie. In der Annäherung an antike Denker wie auch an das Werk der Wissenschaftlerin Hannah Arendt erfolgt im Vortrag "Totale Herrschaft und Musik” der Versuch, historisch und theoretisch das Phänomen "verfemter Musik” wie auch den Charakter totalitärer Herrschaftssysteme in einem Zusammenhang zu betrachten.

Über das Zentrum für Verfemte Musik an der hmt Rostock

Ziel des Zentrums für Verfemte Musik, gegründet am 27. Januar 2008, ist es, jene Musiker der Moderne, die Opfer der Gewaltherrschaft wurden, in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und ihre in Vergessenheit geratenen Werke wieder zu spielen. Entscheidendes Anliegen und einmalig in Deutschland ist, dass der Schwerpunkt nicht nur auf die Forschung, sondern auf die künstlerisch-pädagogische Arbeit gelegt wird. Die einzigartige Möglichkeit, an der Hochschule für Musik und Theater Rostock Musikstudierende als Multiplikatoren für diese Thematik zu gewinnen und sie dafür zu sensibilisieren, soll mithilfe des Zentrums genutzt werden. Die Studierenden erhalten durch die Veranstaltungen des Zentrums die Möglichkeit, die Werke der verfemten Komponisten für ihr Instrument kennen zu lernen, um sie in Zukunft selbst zu Gehör bringen zu können. Eine wichtige Zielgruppe sind dabei auch die Lehramtsstudierenden. Hier liegt die Chance, künftige Generationen zu erreichen, wenn die zukünftigen Musiklehrer das Thema in ihrem Schulunterricht aufgreifen. 
Neben Lehrveranstaltungen finden in der hmt Rostock immer wieder Vorträge zur Thematik „Musik und Holocaust“ sowie Konzerte zu Gedenktagen wie beispielsweise dem 27. Januar und dem 9. November statt. Dabei erklären sich oft Zeitzeugen bereit, von ihren Erfahrungen zu berichten.

Auch außerhalb der Hochschule ist das Zentrum für Verfemte Musik ständig präsent. Es kooperiert  mit den Musikschulen im Land, berät Veranstalter und Interessierte, organisiert musikalische Umrahmungen von Gedenk- und Festveranstaltungen, bietet eigene Veranstaltungen im Rahmen von Lehrerfortbildungen an und verfügt über enge Kontakte zu den Rostocker Schulen.

Neben den Aktivitäten in Mecklenburg-Vorpommern ist das Zentrum tragender Teil einer europäischen Plattform, die seit einigen Jahren mit verschiedenenen Vereinen und Institutionen in Deutschland, Österreich, England und Frankreich kooperiert. 
Darüber hinaus wurden wichtige internationale Projekte, Konzerte und Konzerttourneen in Kooperation mit dem Landesverband Jeunesses Musicales M-V e.V. realisiert. Diese führten u.a. nach Kalifornien, Frankreich und Österreich.
 
Ein weiteres Ziel ist die Vernetzung und Schaffung des Zugangs zum Archiv verfemter Komponisten in Schwerin. Diese beachtliche Notensammlung von rund 700 Partituren, Handschriften und Raritäten wird ständig erweitert und soll zu Studien– und Forschungszwecken jedem Musikstudenten und den Lehrkräften der hmt zur Verfügung stehen.
Beachtliche Erfolge erzielten in den vergangenen Jahren Studentinnen und Studenten der hmt beim internationalen Musikwettbewerb Verfemte Musik in Schwerin. So wurden erste Preise im Wettbewerbsjahr 2010 in der Kategorie Gesang und 2008 in der Kategorie Bläserkammermusik an Kae Hirano, Aya Matsushita, Paolo Mendes und Johann Blanchard vergeben.

Das Kulturprojekt „Verfemte Musik“ ist im Dezember 2012 mit dem Bundespreis des Bündnisses für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet worden. Die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ vergeben.

Was ist verfemte Musik?

Das Wort „verfemt“ setzte sich in den letzten Jahren anstelle des nationalsozialistischen Begriffs „entartet“ durch. Für die Nationalsozialisten galten sämtliche Kunstwerke, kulturelle Stilrichtungen und Musikwerke, die nicht im Einklang mit ihrem eigenen Schönheitsideal und Kunstverständnis standen, als „entartet“ und wurden verboten. Als „entartet“ wurden beispielsweise Stücke jüdischer Künstler oder Andersdenkender, wie Kommunisten, bezeichnet, der Begriff galt sowohl für Musikrichtungen wie Swing und Jazz wie auch in Literatur, Filmkunst, Theater und Architektur. Viele der Künstler der Moderne, vor allem aber Juden, kamen in Konzentrationslager und wurden ermordet. Von Malern und Bildhauern haben zahlreiche Kunstwerke die Zeit der Verfolgung überdauert. Die Noten der „unerwünschten“ Komponisten hingegen blieben verschollen oder wurden nicht verlegt, ihre Musik wurde nicht mehr gespielt und geriet oft in Vergessenheit.


Rückblick

10. Konzert der exil.arte-Reihe „Echo des Unerhörten“

10. Konzert der exil.arte-Reihe „Echo des Unerhörten“

Anlässlich des 25. Todestages von Ernst Krenek fand im RadioCafe im ORF RadioKulturhaus Wien am Donnerstag, den 10. November 2016 um 19:00, ein Gesprächskonzert statt.
Neben Liedern und Arien sowie dem 5. Streichquartett des Komponisten wird Irene Suchy ein Gespräch mit Clemens Zoidl (Ernst Krenek Institut) und Michael Haas (exil.arte) führen. 

Ernst Krenek war einer der erfolgreichsten und widersprüchlichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Auf Grund seines Geburtsdatums (23. August 1900 in Wien) war er gleichzeitig ein Zeitzeuge der Moderne. Als Schüler Franz Schrekers und Freund der Schönbergschule sind zwar die Anfänge seines Schaffens charakterisiert, aber Krenek wurde gleichsam durch seine Polystilistik, welche auf jede kleinste Vibration der Zeitgeschichte rekurrierte, zum Symbol dieses vergangenen Jahrhunderts und gleichzeitig zu einem Enigma. Dieses Jahr jährt sich sein Todestag zum 25. Mal (22. Dezember 1991 in Palm Springs, Kalifornien) und dies nimmt die exil.arte-Serie „Echo des Unerhörten“ zum Anlass Kammermusik, Lieder und Arien dieses Komponisten zu kombinieren und zu präsentieren. Das Adamas Quartett hat gerade ihre neue CD veröffentlicht und wird das 5. Streichquartett des Komponisten vorstellen. Lydia Krüger, Martin Vácha und Steven Scheschareg führen in das Lied- und Arienschaffen ein, Irene Suchy moderiert das interessante Konzert.

Mitwirkende:
Adamas Quartett
Lydia Krüger/Sopran
Steven Scheschareg/Bariton
Martin Vácha/Bariton
Ines Schüttengruber/Klavier
Daniel Prinz/Klavier
Irene Suchy/Moderation
Clemens Zoidl/Ernst Krenek Institut
Michael Haas/exil.arte 

Das Konzert wird live gestreamt und ist daher über das Internet nur während des Konzertes abrufbar.
Zum Livestream >

Festival Verfemte Musik 2016

Festival Verfemte Musik 2016

Das 9. Festival für Verfemte Musik endete am 2. Oktober 2016 mit der Preisvergabe an die Gewinner des Interpretationswettbewerbs.Der in zwei Runden ausgetragende Wettbewerb präsentierte annähernd 50 junge Musikerinnen und Musiker aus 14 verschiedernen Nationen. Die Finalrunde wurde in 13 Wertungen durch  26 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestritten. Erstmals wurde die Möglichkeit gegeben, an zwei Klavieren aufzutreten. Das Niveau der Finalrunde war ausgesprochen hoch.

Die international besetzte Jury, bestehend aus Professorinnen und Professoren, internationalen Künstlern und Musikproduzenten, sowie aus erfahrenen Musikpädagoginnen und Musikpädagogen entschied den ersten Preis zu teilen.

Der erste Preis wurde geteilt an die Hamburger Künstlerinnen Pia Salome Bohnert (Gesang) und Linda Leine (Klavier) sowie an das bereits international erfolgreiche Klavierduo Alina und Nikolay Shalamov, die an der hmt Rostock studieren, vergeben. Die Preisträger.

Rückblick auf die Veranstaltungen

Insgesamt konnte die Besucherzahl bei den Konzertveranstaltung gesteigert werden. Eine Zunahme an Interesse an der Musik war deutlich zu spüren. Zusammen mit dem Jazzkonzert in den Stadtwerken verfolgten insgesamt 600 Zuhörerinnen und Zuhörer die Konzerte. Der Themenschwerpunkt Ernst Krenek führte dazu, dass in allen Konzerten die Musiker die selten gespielten Kompositionen auf hohem künstlerischen Niveau darbrachten. Höhepunkte waren die Auftritte der 3 Generationen Wallfisch mit der international hoch geschätzen Zeitzeugin Anita Lasker Wallfisch. Darüber hinaus konnte die Kooperation mit den Schulen ausgebaut werden. Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler des Fridericianums, der Niels Stensen Schule und dem Goethe-Gymnasium nahmen an den Veranstaltungen und Ausstellungsbesuchen teil.

Der akademische Tag war eine Innovation im Festival. Dort wurden neben hochrangigen Vorträgen in Kooperation mit der Akademie für Politik, Wirtschaft und Kultur in M-V auch ein Opernkinofilm der Schelfaula im Rahmen der Reihe Kino unterm Dach gezeigt. Am Abend wurden im Rahmen des  Klavierabends mit dem Klavierduo Haufe-Ahmels erstmals Musikstücke von Hans Winterberg, einem verfolgten Komponisten, der das KZ Theresienstadt überlebte, in Anwesenheit des Enkelsohnes Peter Kreitmeir erfolgreich aufgeführt.

Ein weiterer Höhepunkt war die bewegende Zeitreise Brundibár, zu der aus ganz Deutschland ehemalige Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums nach 20 Jahren wieder zusammenkamen. Gemeinsam führten sie die Kinderoper "Brundibár" mit der herrlichen Musik von Hans Krása vor vielen Zeitzeugen in Israel auf. Auch Schwerins ehemaliger Oberbürgermeister Johannes Kwaschik kam zu dieser voll besetzen Veranstaltung in das Konzertfoyer und bereicherte die Gesprächsrunden.

Das Festival kann zu den erfolgreichsten Veranstaltung gerechnet werden, trotz des traurigen Umstandes, dass viele Zeitzeugen nicht mehr da sind. Die hervorragende Ausstellung, die im SHH Haus zu sehen ist, widmet sich dem Portrait der Zeitzeuginnen und Zeitzegen, die in den vergangenen 15 Jahren nach Schwerin gekommen sind.

Einladung zum Akademischen Tag im Rahmen des Festivals.

Festivalprogramm vom 22. Oktober bis 2. Oktober 2016.

Festival Verfemte Musik 2015

Festival Verfemte Musik 2015

1.-3. Oktober 2015, Akademie für Politik, Wirtschaft und Kultur, Mecklenburgstraße 59, Schwerin

mit Meisterkursen und dem 2. Internationalen Musiksymposium
Siebzig Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs. Bedeutet 1945 auch das Ende der Multistilistik?
Hier geht es zum Symposiums-Flyer.

Hier finden Sie weitere Information zum Festival Verfemte Musik 2015 >>

Schriften aus dem Nachlass des Komponisten Konrad Wallerstein

Schriften aus dem Nachlass des Komponisten Konrad Wallerstein

Studentin Stefanie Schliebe und Volker Ahmels, Leiter des Zentrums für Verfemte Musik. Foto: Georg Scharnweber/NNN

Das Zentrum für Verfemte Musik hat aus dem Nachlass des Komponisten Konrad Wallerstein Handschriften, Noten und seltene Publikationen erhalten, die es bewahren, aber auch als Quelle für wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung stellen möchte. Der jüdische Komponist und Musikpädagoge Konrad Wallerstein lebte in Prag, als er und seine Frau Frieda am 13. Juli 1943 nach Theresienstadt deportiert wurden. Mit einem der letzten Herbsttransporte wurden sie Ende Oktober 1944 nach Ausschwitz gebracht und ermordet. Unter den Schriften sind eine Art Autobiographie, angereichert mit Anekdoten. Wallersteins zweite Tochter Hanna, die einzige Überlebende des Holocaust aus der Familie, verfügte kurz vor ihrem Tod im Herbst 2013, dass die Dokumente in den Besitz des Zentrums für Verfemte Musik kommen.

EU-Förderung 2012-2014

EU-Förderung 2012-2014

Das Zentrum für Verfemte Musik erhält 2012 bis 2014 gemeinsam mit europäischen Projektpartnern eine Förderung durch die Europäische Kommission. Gefördert werden deren Projekte zur Vermittlung Europäischer Kulturgeschichte  und gegen das Vergessen des kulturellen Barbarismus der Nationalsozialisten im Rahmen des Programms "Europäische Strategien zur Holocaust Erinnerung (ESTHER).

Bericht zum Internationalen Symposium zur Holocaust-Vermittlung (17.-19.10.2013) als pdf

Konzert mit Preisträgern 2012

Konzert mit Preisträgern 2012

Preisträger des Wettbewerbs Verfemte Musik 2012 gestalteten am 8. und 9. November 2012 herausragende Konzerte in Greifswald und Schwerin. Es spielten u.a. die hmt-Studierenden Olga Shrygunowa, Vladimir Sedlák und Joshua Löhrer Werke von Hans Gál, Alexandre Tansman und Bohuslv Martinu. In Schwerin war Thomas Frankl, Sohn des Auschwitz-Überlebenden Künstler Adolf Frankl anwesend.

Erinnerung wachhalten - 6 Jahre Zentrum für Verfemte Musik - 2014

Erinnerung wachhalten - 6 Jahre Zentrum für Verfemte Musik - 2014

Anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus umrahmten Studierende der hmt unter der Leitung von Volker Ahmels am 27. Januar 2014 die offizielle Gedenkveranstaltung des Landes MV in der Schlosskirche Schwerin.
Vor 200 Zuhörern wurden Werke von Viktor Ullmann, Leo Smit und Dick Kattenburg aufgeführt. Die Komponisten wurden in Auschwitz und Sobibor ermordet. Ehrengast war der fast 90 jährige Zeitzeuge Jack Courandt.
Es musizierten Anna Kunze (Gesang), Audrey Massaka (Violine), Anna Maria Dragun (Viola) und Beatrice Holzer-Graf (Violoncello). Weitere Teilnehmer waren: Klavierduo Haufe-Ahmels , Anna Zaubzer und Anna Maria Kotani sowie Danilo Volpyansky (Netzwerk yaro).

Aus Anlass "Erinnerung wachhalten - 6 Jahre Zentrum für Verfemte Musik" interpretierten Junge Musikerinnen und Musiker Werke verfemter Komponisten am internationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus im Kammermusiksaal der hmt und am 29. Januar 2014 gaben Eleonore Pameijer (Querflöte) und Marcel Worms (Klavier) ein Konzert mit Werken von Leo Smit, Dirk Kattenburg, Marius Flothius u. a. Eine Kooperation mit der Leo Smit Stichting Amsterdam.

Violinduo ContRaste - Gedenkfeier an die Novemberpogrome 2013

Violinduo ContRaste - Gedenkfeier an die Novemberpogrome 2013

Studierende Anna Maria Kotani und Anna
Zaubzer. Foto: Uwe Sinnecker

Violinduo ContRaste spielte am 07.11.2013 Werke von Dick Kattenburg im Schweriner Schloss bei einer Gedenkfeier an die Novemberpogrome

Sudierendende der hmt brillierten mit Verfemter Musik - 2013

Sudierendende der hmt brillierten mit Verfemter Musik - 2013

Anlässlich der 68. Wiederkehr der Befreiung des Konzentrationslagers Wöbbelin bei Ludwigslust wurde erstmals am 2. Mai 2013 ein Konzert mit Werken verfemter Komponisten unter der Leitung und Moderation von Volker Ahmels in Ludwigslust veranstaltet.
Der volle Konzertsaal war begeistert  von der Aufführung von Werken der Komponisten Wolfgang Jacobi, Hans Gál, Paul Hindemith, Joseph Horovitz und Astor Piazzolla. Die Studierenden Olga Shkrygunowa mit der Absolventin Carolin Renner sowie Johan Olson Beofang Wang und Daniel Sjövall überzeugten mit einfühlsamen und virtuosen Interpretationen. Im Publikum waren überlebende Zeitzeugen u.a. aus Polen, Holland und den USA. Eine weitere Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte unter der Leitung von Ramona Ramsenthaler ist geplant.

Hier ist ein Beitrag von TV Schwerin über diese Veranstaltung zu finden.

Ausstellung zum Komponisten Hans Gál 2013

Ausstellung zum Komponisten Hans Gál 2013

aus Anlass des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus
25.01. - 28.02.2013

„4 Gál - … immer wieder anfangen müssen“ lautet der Titel der Ausstellung des Zentrums für Verfemte Musik, die am Freitag, den 25. Januar, um 18 Uhr im Foyer der Hochschule für Musik und Theater Rostock eröffnet wird. Gezeigt wird umfangreiches Ausstellungsmaterial zu Ehren des österreichischen Komponisten Hans Gál, der sofort nach der Nazi-Machtübernahme im Jahr 1933 als Leiter des Mainzer Konservatoriums entlassen wurde und dessen Werke verboten wurden. Er emigrierte nach England und ließ sich in Edinburgh nieder, wo er 1987 starb.

Die Studierenden Stefanie Schliebe, Carolin Beiche, Margarete Ruickoldt, Anna-Sophie Werner und Rahel Wiesenberg haben die Ausstellung aus Anlass des Gedenktags für die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns und Völkermordes am 27. Januar konzipiert. Symbolhaft für diesen Terror steht das Konzentrationslager Auschwitz, das am 27. Januar 1945 befreit wurde und in dem vor allem solche Menschen litten, die der Nationalsozialismus planmäßig ermordete oder noch vernichten wollte. Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern begeht seit 1996 zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus gemeinsam  mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kirchen den Gedenktag, der dieses Jahr am 27. Januar in der Rostocker Hochschule stattfindet. Die Zeitzeugin Frau Lasker-Wallfisch wird genauso wie auch Frau Fox-Gal zu unseren Ehrengästen gehören.

Internationales Festival Verfemte Musik 2012

Internationales Festival Verfemte Musik 2012

Symposium „Continental Britons / Verfolgt, vertrieben – vergessen?“
im Rahmen des EU-Projekts „ESTHER – Europäische Strategien zur Holocaust-Erinnerung“

27.– 29. September 2012

Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 wurden viele MitbürgerInnen durch systematische Bedrohung und Vertreibung ihrer Menschenrechte beraubt. Auch viele Komponisten und Musiker waren davon betroffen und mussten ihr Land verlassen oder waren in den Konzentrationslagern Folter und Tod ausgesetzt.

Das Symposium widmet sich vertriebenen Komponisten und Musikern, die im Zuge der nationalsozialistischen Herrschaft nach Großbritannien emigrierten. Die Tagung wird die Schicksale Hans Gáls, Egon Wellesz’, Karl Rankls u.a. beleuchten, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder politischen Anschauung ihre Heimat verlassen mussten und in Großbritannien Zuflucht fanden.

Im Rahmen des Symposiums findet weiters ein Gesprächskonzert mit Eva Fox-Gál, Tochter von Hans Gál, mit Werken von Hans Gál, Ernst Toch u.a. statt.

Veranstaltungsorte:
Mecklenburgisches Staatstheater, Schwerin
Akademie für Politik, Wirtschaft und Kultur, Schwerin

Veranstalter:
exil.arte – Wien
Zentrum für Verfemte Musik – hmt Rostock
Jeunesses Musicales Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Der Eintritt zum Symposium ist frei, Karten für das Konzert am 27. September beim Staatstheater Schwerin.

Weitere Informationen:
Verfemte Musik
Esther-Euroge

Hier die Übersicht des Festivalprogramm vom 25.09.-02.10.2012

Zentrum für Verfemte Musik erhält Nachlass von Peter Wallfisch - 2011

Zentrum für Verfemte Musik erhält Nachlass von Peter Wallfisch - 2011

Die Organisatoren des Schweriner Festivals „Verfemte Musik“ und des Zentrums für Verfemte Musik konnten sich über ein besonderes Geschenk freuen. Die heute in London lebende Anita Lasker Wallfisch überließ ihnen das Notenarchiv ihres 1993 verstorbenen Mannes, dem international gefeierten jüdischen Pianisten und Klavierprofessors Peter Wallfisch. Die symbolische Übergabe des Nachlasses in das Schweriner Archiv erfolgte am Donnerstag, dem 9. November 2011 im Brigitte-Feldtmann-Saal des Schweriner Konservatoriums. Volker Ahmels, der Leiter des Zentrums für Verfemte Musik, nahmt es persönlich von Anita Lasker Wallfisch entgegen. Am Nachmittag gestalteten Schüler des Konservatoriums Schwerin, Studierende der Hochschule für Musik und Theater Rostock sowie das Klavierduo Haufe-Ahmels eine Gedenkveranstaltung, bei der Frau Anita Lasker Wallfisch auch einen Vortrag hielt.

Das Schweriner Archiv besteht aus ca. 800 Partituren und Noten von Komponistinnen und Komponisten aus der ganzen Welt, u.a. klassische Literatur, aber auch Werke von Englischen, Spanischen und Südamerikanischen. Darüber hinaus beinhaltet das Archiv auch Werke verfemter Komponisten, wie beispielsweise Hans Gal, Paul Ben-Haim, Erwin Schulhoff und Darius Milhaud, die schon im Fokus der jahrelangen Forschungsarbeit des Konservatoriums in Kooperation mit dem Zentrum für Verfemte Musik an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock steht. Es wird nun um das Notenarchiv von Peter Wallfisch erweitert, das im Wesentlichen aus Notenpartituren für Klavier solo und Klavier vierhändig besteht.

Dieses Archiv soll für Forschungszwecke und natürlich auch für Pianistinnen und Pianisten aus der Musikschule und der Rostock Hochschule zugänglich sein.

Weitere Veranstaltungen des Zentrums für Verfemte Musik waren:
Studierende der hmt gaben gemeinsam mit jungen Preisträgern aus Freiburg und Mitgliedern der yaro am 26. Januar 2012 ein Konzert anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus in der Rostocker Hochschule. Ehrengast dieses Abends war Dr. Eva Fox-Gál aus York in England. Einen Tag später spielten sie zur Gedenkveranstaltung im Schweriner Landtag.

Außerdem traten Studierende mit einem musikalischen Programm verfemter Komponisten bei einer Veranstaltung im Informationsbüro Mecklenburg-Vorpommern in Brüssel auf, das mit dem Landesrabbiner William Wolf am 02.02.2012 zum Thema „Integration“ stattfindet.

Kammermusikfestival "Bohème! Musik aus Böhmen und Mähren" 2011

Kammermusikfestival "Bohème! Musik aus Böhmen und Mähren" 2011

Vom 7. bis 11. Juni 2011 fand an der hmt Rostock das Kammermusikfestival "Bohème! Musik aus Böhmen und Mähren" statt. In diesem Rahmen wurden zahlreiche Veranstaltungen in Kooperation mit dem Zentrum für Verfemte Musik angeboten, unter anderem ein Zeitzeugengespräch mit Prof. Anna Hanusová-Flachová.

Ausstellung: „Berühmt und wieder vergessen. Das Schicksal des Komponisten Alexandre Tansman." 2011

Ausstellung: „Berühmt und wieder vergessen. Das Schicksal des Komponisten Alexandre Tansman." 2011

Die Ausstellung „Berühmt und wieder vergessen. Das Schicksal des Komponisten Alexandre Tansman“ war ein von Studenten der hmt getragenes Projekt. Die Ausstellung wurde konzipiert als Teil des Rahmenprogramms zum Festival „Verfemte Musik 2010“ in Schwerin. Während dieses bereits zum sechsten Mal veranstalteten Instrumental- und Gesangswettbewerb vom 21. bis 26. September 2010 wurde durch den Verein Jeunesses Musicales MV Konzerte, Vorträge und Zeitzeugengespräche veranstaltet. Im Fokus des Festivals stand 2010 der polnisch-französische Komponist Alexandre Tansman. Durch ein Theater-Schülerprojekt wurde sich künstlerisch mit dem Leben des Komponisten beschäftigt, die wissenschaftliche Auseinandersetzung erfolgte dann durch die Studenten mit der Ausstellung. Neben zeithistorischen und biographischen Informationen wurde in der Ausstellung auch ausgewählte Werke von Alexandre Tansman ausgewählt, um den Besuchern einen kleinen Einblick in das umfangreiche Œuvre des Komponisten zu geben. Durch die Auswahl der Originaldokumente, die uns von der Tochter Mireille Tansman zur Verfügung gestellt worden sind, sollte die Ausstellung plastischer und greifbarer gemacht werden.

Gesamtkonzeptionell war das Anliegen, den Besucher mit dem Komponisten vertraut und anhand seines Schicksals auch Zeitgeschichte erfahrbarer zu machen.

Die intensive Arbeit der sechs Studenten Jonathan Boudevin, Anne Neubert, Margarete Ruickoldt, Patricia Schneider, Stefanie Schliebe und Anna-Sophie Werner wurde durch die Mitglieder des Vereins von Jeunesses Musicales MV, hier vor allem Volker Ahmels, Andreas Damken und Jenny Svensson unterstützt.

Nachdem die Ausstellung mit großem Erfolg in Schwerin gezeigt worden war, sollte sie nun auch in den Kreuzgängen der Hochschule für drei Wochen Raum finden um den Studierenden der Hochschule, sowie den täglichen Besuchern des umgebauten Klosters den Komponisten Alexandre Tansman näher zu bringen. Zu der Vernissage, in der im Anschluss ein Konzert mit Werken von Alexandre Tansman und seinen Zeitgenossen stattfand, kam eigens die Tochter des Komponisten Mireille Tansman aus Paris und berichtete im Konzert über ihren Vater und sein Leben.

"Erinnerung musikalisch wach halten": Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus 2010

"Erinnerung musikalisch wach halten": Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus 2010

Am 27. Januar 2008 wurde das Zentrum für Verfemte Musik gegründet. An diesem offiziellen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, der 1996 durch den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar gelegt wurde in Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 erklang ein hochkarätiges Musikprogramm von Studenten und Dozenten der hmt Rostock. Ein ganz besonderes Geschenk zu diesem kleinen Jubiläumstag des Zentrums für Verfemte Musik war der erneute Besuch von Prof. Anna Hanusová-Flachová, die als Kind nach Theresienstadt deportiert wurde und dort nicht zuletzt wegen ihrer Liebe zur Musik die Kraft und das Glück hatte, zu überleben. Als Ehrengast berichtete sie in der Veranstaltung über ihre Zeit im KZ Theresienstadt.

Walter Arlen Festival vom 03.-05. November 2009

Walter Arlen Festival vom 03.-05. November 2009

Das Festival „Walter Arlen und die Emigranten von Los Angeles“, das vom 03. bis 05. November 2009 an der hmt stattfand, war ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltungen des Zentrums für Verfemte Musik im Wintersemester 2009/2010 an der hmt. Schwerpunkt des Festivals waren die Werke des Komponisten, Musikkritikers und Zeitzeugen Walter Arlen, der persönlich an der Rostocker Hochschule zu Gast war. Zweiter Schwerpunkt bildeten die Emigranten von Los Angeles wie beispielsweise Arnold Schönberg Erich Zeisl und Alexandre Tansman. Im Rahmen des Festivals bot das Zentrum für Verfemte Musik Vorträge und Konzerte zu Walter Arlen und seiner Zeit an und auch die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Barbara Zeisl-Schoenberg, Tochter des Komponisten Erich Zeisl und Schwiegertochter des Komponisten Arnold Schönberg konnte für das Festival als Ehrengast gewonnen werden.

Eine enge Kooperation mit ExilArte Wien und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien geleitet von Prof. Dr. Gerold Gruber ermöglichte die Welturaufführung von Szenen aus der unvollendeten Oper von Erich Zeisl. Studenten aus Wien musizierten gemeinsam mit Studenten der Hochschule Rostock und brachten im ersten Konzert des Festivals Teile aus zu Gehör. Unter den Konzertbesuchern war auch die Tochter des Komponisten Barbara Zeisl-Schoenberg, die von der Aufführung des Werkes ihres Vaters sehr bewegt war.

Mit dem Landesverband Jeunesses Musicales MV wurde dieses Festival in Kooperation mit dem Konservatorium Schwerin veranstaltet. So gab es ein Konzert, das von jungen Preisträgern des Wettbewerbs „Verfemte Musik“ sowie Lehrern des Konservatoriums Schwerin und Studenten der Hochschule für Musik Rostock bestritten wurde.

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2013

Rabbiner William Wolff bei der Gedenkveranstaltung. Foto: Thomas Häntzschel
Anita Lasker-Wallfisch und Eva Fox-Gal. Foto: Thomas Häntzschel
Auftritt Studierender bei der Gedenkveranstaltung. Foto: Thomas Häntzschel
Ausstellung zu Hans Gál. Foto: Thomas Häntzschel

Ausstellungseröffnung Tansman - Impressionen

Volker Ahmels, Leiter des Zentrums für Verfemte Musik (rechts) und Janusz Marszalek, Oberbürgermeister von Auschwitz
David Goldberger, Musikwissenschaftler
Janusz Marszalek und Volker Ahmels (rechts)
Veronika Grütter, hmt-Studentin

Publikationen

Jüdische Miniaturen
Eva Fox-Gál und Anthony Fox:

Hans Gál. Ein Jahrhundert Musik

Jüdische Miniaturen
Klaus Bertisch:

Leo Smit. Unerhörtes Talent

Beiträge des Symposiums über "Continental Britons", Schwerin, 27.-29. September

Gerold Gruber (Hg.)