Ringvorlesung

Die Hanse. Netzwerke und Kulturtransfers

Die Hanse ist in erster Linie ein Wirtschaftsverbund, begründet in der Mitte des 12. Jahrhunderts, mit dem Ziel, für die Region Profit zu bringen und Sicherheit auf See zu gewährleisten. Aus musikwissenschaftlicher Perspektive ist die Hanse interessant, weil es sich um einen ganz spezifischen Verbund handelt; in gewisser Hinsicht eine frühe Form der Globalisierung, inbegriffen verschiedenste Formen kultureller Transfers.
Gehandelt wurde mit Waren aus den eigenen Wirtschaftsgebieten, zudem aber auch mit solchen, die als Importgüter in den Hansestädten zwischengelagert und dann verschifft wurden. Vertrieben wurden diese Waren von Menschen aus verschiedenen kulturellen Kontexten, somit wurde nicht nur die Handelsware verschifft, sondern auch ein kulturelles Wissen, das über die Seewege Verbreitung fand.

Während die Hanse historisch vom 12. bis ungefähr zur Mitte des 17. Jahrhunderts reichte, erfuhr sie 1980 als "Lebens- und Kulturgemeinschaft der Städte über die Grenzen hinweg" eine Neugründung. Damit ist die Hanse nicht nur historisch, sondern auch aktuell als Gemeinschaft jenseits nationaler Grenzen von Interesse, was für die Frage regionaler Identität im Ost- und Nordseeraum eine wichtige Rolle spielt. In der Ringvorlesung sollen die regionalen Charakteristika beleuchtet werden, und zwar nicht so sehr unter Hervorhebung von Brauchtum und Folklore, sondern eher unter dem Aspekt des Austauschs, der Transfers und dynamischen Wandlungen. Zugleich soll kritisch bedacht werden, was die Hanse und die ihr zugehörigen Gilden für Strategien von Inbesitznahme, Reglementierung und Ausschluss bedeutet haben. Repräsentiert in Architektur, Bildender Kunst und in der Musik lohnt Hanse einen frischen Blick - auf das historische wie auf das bis heute aktive Netzwerk entlang der Küstenregion.

Vorlesungstermine Sommersemester 2020
14.04.2020 Musik als Ware und Handelsgut im Hanseatischen Raum. | Prof. Dr. Friederike Wißmann
21.04.2020 Wie hanseatisch ist die Gesangskultur der Hanse im 15. Jahrhundert? Zum überregionalen Charakter des "Rostocker Liederbuchs" | Prof. Dr. Franz-Josef Holznagel
28.04.2020 Kontinuitäten und Umbrüche. Hanse-Strukturen in der Frühen Neuzeit und ihre Bedeutung für die (Musik)Kulturen des Ostseeraums. | Dr. Martin Löser
12.05.2020 Dietrich Buxtehude - Netzwerke im 17. Jahrhundert | Prof. Dr. Wolfgang Auhagen
19.05.2020 Die schwedisch-finnische Liedersammlung "Piae cantiones" (1582) Entstehungs- und Wirkungsgeschichte | Prof. Dr. Hartmut Möller
26.05.2020 Von Köln über Kopenhagen nach Stralsund. Die musikalische Reflexion der hansekriege gegen König Valdemar IV. von Dänemark. | Prof. Dr. Yvonne Wasserloos
09.06.2020 "Datt mutt glücken" Musik in der Festungs- und Hafenstadt Glückstadt nach ihrer Gründung 1617 durch Christian IV. in Konkurrenz zur Hansestadt Hamburg. | Prof. Dr. Gesa zur Nieden
16.06.2020 Die Hanse als geschichtskulturelle Projektionsfläche. | Prof. Dr. Oliver Plessow
23.06.2020 Störtebeker und die Vitalienbrüder in der Popkultur. | Dr. Des. Fabian Bade
30.06.2020 Transformationen des Nordischen. Stationen der nationalistischen Kulturpropaganda für Skandinavien. | Prof. Dr. Michael Custodis
  Die Vorlesungen finden um 17 Uhr in Raum S316 statt.