Lass‘ treffen - Schauspielwettbewerb in Rostock
Meinungslager, Empathiegräben und die Dynamik einer „gefühlten Polarisierung“ (Steffen Mau) fordern nicht nur die so dringend benötigte demokratische Handlungsfähigkeit heraus. Sie setzen auch eben jene Freiräume der Künste unter Druck, in denen unsere Gesellschaft die Unsicherheiten, Verletzlichkeiten und Konflikte ihres Zusammenlebens miteinander erforscht und verhandelt. Als soziale Kunstform entsteht Theater durch Begegnung– in der Aufführungssituation, aber auch im Arbeitsprozess. Utopie und Zumutung liegen dabei nah beieinander: Wie können wir einander inspirieren und stärken? Welchen Umgang finden wir mit dem, was uns trennt? Wie entwickeln wir echte Resonanzbeziehungen, in denen sich alle als veränderbar erleben dürfen – on und off stage?
Die Hochschule für Musik und Theater Rostock (hmt) mit dem Institut für Schauspiel ist vom 7. bis 13. Juni 2026 Gastgeberin des Bundeswettbewerbs deutschsprachiger Schauspielstudierender. Als zentrales Forum für den künstlerischen Nachwuchs wird das Schauspielschultreffen jedes Jahr an einer der 19 schauspielausbildenden Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, also aller Mitglieder der Ständigen Konferenz Schauspielausbildung (SKS), in Zusammenarbeit mit der Europäischen Theaterakademie GmbH „Konrad Ekhof“ Hamburg veranstaltet und vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
Rund 230 angehende Schauspielerinnen und Schauspieler sowie zahlreiche Lehrende kommen für eine Woche in Rostock zusammen, um auf der großen Bühne des Volkstheater Rostock im Rahmen eines kollegialen Wettbewerbs ihre Inszenierungen zu zeigen und zu erleben. Eine unabhängige Fachjury zeichnet herausragende Ensemble- und Einzelleistungen mit verschiedenen Preisen aus. Sie wird in diesem Jahr gebildet von Jessica Cuna, Lucien Haug, Lili Hering, Tucké Royale und Şafak Şengül mit ihren unterschiedlichen Expertisen und Perspektiven der Arbeitsfelder Schauspiel, Regie und Dramaturgie in Theater und Film. Zudem wird ein Publikumspreis der Studierenden vergeben, die sich in Feedbackgesprächen – formatiert und moderiert von Studierenden des Instituts Lehramt Theater – intensiv mit den einzelnen Ensembles und untereinander austauschen.
Kontrapunkt und Ergänzung zum Wettbewerb ist erstmals ein hochschulübergreifender Kreationsprozess. Ein verbindliches und verbindendes Format für alle Studierenden lädt dazu ein, miteinander ins Denken und Spielen zu kommen: An fünf Vormittagen wird die hmt Rostock – ein moderner Bau im Gemäuer einer mittelalterlichen Klosteranlage, deren Räume um einen stimmungsvollen Kreuzgang mit Innenhof gruppiert sind – zum gemeinsamen Arbeitsort: In künstlerischer Leitung der Filmemacherin Hannah Dörr entsteht hier ein vielstimmiges Filmprojekt, das bei der Abschlussveranstaltung des Treffens Premiere feiert. Der Cast: ein mögliches, unmögliches Ensemble des Abschlussjahrgangs 2027. Zwischen Totale und Close-Up, von Slomo bis Zeitraffer, mit und ohne Worte, zwischen Spitzbögen oder vor Waschbeton geht es darum, den eigenen Blick an den Perspektiven der anderen zu schärfen, mit- und aneinander Haltungen und Ideen zu entwickeln.
Ein weiterer programmatischer Akzent liegt auf den Übergang vom Studium in den Beruf. Unter anderem in Gesprächen mit der Intendantinnen- und Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins haben Studierende und Dozierende die Möglichkeit, sich über Erwartungen und Perspektiven zwischen Ausbildung und Berufswelt auszutauschen.
Die geografische Rand- und Strandlagedes Austragungsortes greift die grafische Gestaltung des Treffens auf: Studierende der Fakultät Kommunikationsdesign und Medien des Hochschule Wismar haben dafür eine Motivreihe entwickelt, die nicht nur mit dem (Farb-)Verlauf eines Tages spielt, sondern auch vielversprechende Horizonte aufscheinen lässt.









