Wiederentdeckungen verfemter Musik neu eingespielt
Verfemte Musik für Klavier zu vier Händen wiederzuentdecken, bekannt zu machen und für die Nachwelt zu erhalten, dies ist das Anliegen des Klavierduos Friederike Haufe und Volker Ahmels. Ihre neueste Einspielung von Werken verfemter Komponisten des 20. Jahrhunderts erscheint am 24. März 2026 auf den bekannten Streaming-Diensten.
Das Release-Datum haben sie bewusst gewählt. Es enthält historische Bezüge: Am 24. März 1933 trat das „Ermächtigungsgesetz“ der Nationalsozialisten in Kraft. Am 24. März 1945 startete die Rheinüberquerung „Operation Varsity“ der Alliierten. „Diese zeitliche Klammer macht die historische Dimension sichtbar. Zwölf Jahre, in denen das NS‑Regime Kunst, Kultur und Leben unzähliger Menschen zerstörte. Dass all die von uns eingespielten Komponisten in dieser Spanne litten oder vertrieben, verfolgt oder zum Schweigen gebracht wurden, wird durch diese beiden Daten besonders greifbar“, erläutert die Pianistin Friederike Haufe.
Aufgenommen wurden die „Serbischen Weisen“ von Hans Gál aus dem Jahr 1916, das 1923 entstandene Ballettfragment „La Danse de la Sorcière“ von Alexandre Tansman sowie Arnold Schönbergs Fragment für Klavier zu vier Händen von 1937.
„Besonders das Schönberg-Fragment wirft Fragen auf. Über dessen Entstehung und Kontext sind bislang keine gesicherten Hintergründe bekannt“, berichtet Volker Ahmels, der auch Leiter des Zentrums für Verfemte Musik an der hmt Rostock sowie künstlerischer Leiter des Internationalen Interpretationswettbewerbs für Verfemte Musik ist. „Es wurde dem Klavierduo vom Arnold Schönberg Center bekannt gemacht und zur Verfügung gestellt“, ergänzt er. „Auch die Rezeption des vierhändigen Werks von Alexandre Tansman ist bislang nur unzureichend erforscht, was die Bedeutung dieses Streaming-Projekts als dokumentarischen Beitrag zusätzlich unterstreicht. Die ‚Serbischen Weisen‘ von Hans Gál stehen exemplarisch für das Schaffen eines Komponisten, dessen Werk durch Vertreibung und Exil lange marginalisiert wurde.“
Die Einspielung der Werke erfolgte von „Die Tonspur Schwerin“ im Studio der Klangmanufaktur in Hamburg auf einem generalüberholten Steinway D-Flügel, dem sogenannten „Blauen Flügel“ der Hamburger Symphoniker aus dem Jahr 1925. Dieses historische Instrument verleiht den Einspielungen einen authentischen Klang, der der Entstehungszeit der Werke besonders nahekommt. Unterstützt hat das Projekt die Hans-Kauffmann-Stiftung.
Mit dieser Veröffentlichung über Streamingdienste leistet das Klavierduo Haufe-Ahmels einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur, zur musikalischen Forschung und zur lebendigen Weitergabe verfemter Musik – jenseits kommerzieller Verwertungslogiken und mit Fokus auf eine nachhaltige Dokumentation.









