Internationale Tagung EWK

»So Gott und Papa will« - Zum Phänomen des musikalischen ›Wunderkinds‹

ausgerichtet von der Erich Wolfgang Korngold Werkausgabe

Veranstaltungsort: Hochschule für Musik und Theater Rostock
Datum: 20.–21. November 2026

Der Begriff ›Wunderkind‹ gilt heute als »ideologisch belastet« (Hans Günther Bastian). Doch auch wenn die naive Feier der talentierten Kinder durchaus kritisch betrachtet wird, so lohnt die Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Ausnahmetalents. Im geplanten Symposium soll die musikalische Hochbegabung ins Zentrum rücken: Historischer Ursprung und bis in die Gegenwart reichende Narrative des Phänomens werden ebenso behandelt wie konkrete Fallbeispiele.

Erich Wolfgang Korngold (1897–1957) wurde, als ein prominentes Beispiel, schon zu Lebzeiten als musikalisches ›Wunderkind‹ inszeniert. Das zitierte Motto auf der Titelseite des Autographs einer Sammlung von Liedern des damals Vierzehnjährigen – »So Gott und Papa will op. 5« – veranschaulicht die oft problematische Rolle der familiären Förderung. Zur Diskussion stehen frühe Werke junger Komponist:innen, aber auch ein kritischer Blick auf musikalische Virtuosität und ihre mediale Rezeption.

Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch.

Call for Papers

https://korngold-werkausgabe.de

Programm

13:30 Uhr – Begrüßung

13:45 Uhr – Keynote: Prof. Dr. Dr. Benjamin Lang

14:45 Uhr – Prof. Dr. Friederike Wißmann
Zwischen Kult, Schrecken und Furcht – zur Konstruktion von musikalischen Wunderkindern

15:15 Uhr – Florian Sauer und Jan Thürmer
»Wunderkind« im Kontext: Lili Boulangers Faust et Hélène und der Prix de Rome

KAFFEEPAUSE

16:15 Uhr – Madlen Poguntke
Unsichtbare Wunderkinder? Weibliche Hochbegabung und die Grenzen des musikalischen Wunderkind-Narrativs

16:45 Uhr – Chiara M. Rubino
»[…] die kleine spielt wie ein Mann, die größere aber wie ein Engel« – Die mediale Konstruktion weiblicher Wunderkindlichkeit am Beispiel der Schwestern Milanollo

17:30 Uhr – Bettina Schuster
Das ›Wunderkind‹ als Familienprojekt. Einblicke in den publizistischen Diskurs des frühen 20. Jahrhunderts

18:00 Uhr – Prof. Dr. Barbara Bräutigam
Zweifelhafte Mitgift – Die Ambivalenz großen Könnens

18:45 Uhr – Podium
mit Prof. Dr. Friederike Wißmann, Prof. Dr. Barbara Bräutigam, Prof. Stefan Imorde, Prof. Dr. Gerold Gruber
Moderation: Jun.-Prof. Dr. Gabriele Groll

09:30 Uhr – Dr. Anna Magdalena Bredenbach und Lydia Gruber
Josephine Caroline Lang (1815–1880) – ein Wunderkind?

10:00 Uhr – Severin Kolb
»[…] nichts Wunderkindliches«? – Karrierestrategien und Repertoire der Czerny-Sprösslinge Theodor Leschetizky und Alfred Jaëll in den 1840er-Jahren

KAFFEEPAUSE

11:00 Uhr – Jannik Franz, Tim Martin Hoffmann, Tim Kuhlmann und Martin Schüttö
Panel: Aspekte des Frühwerks von Erich Wolfgang Korngold

MITTAGSPAUSE

13:45 Uhr – Dr. Felix C. Thiesen
Von Gott geküsst – oder von den Eltern schikaniert? Musikpsychologische Impulse für die Wunderkind-Forschung

14:15 Uhr – Marie Luise Voß
#wunderkind – Akteure und Strategien der Inszenierung musikalisch hochbegabter Kinder in den Sozialen Medien

KAFFEEPAUSE

15:15 Uhr – Sebastian Pstrokonski-Komar
Aus dem Alltag eines reisenden »Wunderkindes«. Der fünfzehnjährige Friedrich Gernsheim im Selbstzeugnis

15:45 Uhr – Prof. Dr. Arne Stollberg
Wunderkind-Debatten um 1910: Erich Wolfgang Korngold, Ervin Nyiregyházy – und ein gewisser Edi Mayer